Die diesjährige PHOTOx-Konferenz konzentrierte sich auf die zunehmende Raffinesse und die datengesteuerten Ansätze, die in der Cannabisanbaubranche angewandt werden. Von fortschrittlichen Beleuchtungstechniken und Datenwissenschaft bis hin zur Optimierung von Nährstoffregimen und Schädlingsbekämpfung - die Veranstaltung zeigte die Entwicklung der Branche von ihren alten Praktiken hin zu einer stärker technologiegesteuerten Zukunft. Wir gehen die Highlights der Veranstaltung und bemerkenswerte Zitate von Branchenexperten durch.
Hauptthemen und Ideen
1. Datengestützte Kultivierung
Die „Goldene Kennzahl“ (PCE): Travis Higginbotham von Due Diligence Horticulture stellte „Gramm pro Mol pro Quadratmeter pro Zyklus“ (PCE) als entscheidende Kennzahl zur Bewertung der Anbaueffizienz vor. Er hob die erhebliche Lücke zwischen den aktuellen Branchendurchschnitten (0,2 g/Mol) und dem nachgewiesenen Potenzial (0,4 g/Mol) hervor. Diese Kennzahl unterstreicht die Notwendigkeit optimierter Beleuchtungsstrategien, Klimasteuerung und Nährstoffmanagement.
Data Science & Digital Twins: Ben Niehaus von Specs AI hob die Bedeutung von Data Science für die Optimierung des Anbaus hervor. Er stellte die Technologie seines Unternehmens vor, die mithilfe von maschinellem Lernen Pflanzenbilder analysiert und Wachstumsmuster, Krankheiten sowie optimale Bedingungen vorhersagt. Dieser datengestützte Ansatz ermöglicht es den Erzeugern, fundierte Entscheidungen zu treffen und vorhersehbare Ergebnisse zu erzielen.
2. Fortschrittliche Beleuchtungstechnologien
Intercanopy Lighting (ICL): Dominic van Gruisen von Innexo stellte das Potenzial von ICL zur Steigerung der Erträge und zur Senkung des Stromverbrauchs vor. Die Untersuchungen seines Unternehmens zeigten eine Ertragssteigerung von 15 % und eine Stromeinsparung von 35 % durch die strategische Integration von ICL in Anbaustrategien ohne Vegetationsphase. Diese Technik stellt herkömmliche Beleuchtungsverfahren in Frage und bietet eine überzeugende Lösung zur Maximierung der Rentabilität.
Über traditionelle Kennzahlen hinaus: Dave Hawley, Leiter der globalen Forschungs- und Entwicklungsabteilung bei Fluence, betonte, wie wichtig es sei, über vereinfachte Kennzahlen wie Gramm pro Quadratfuß hinauszugehen. Er hob hervor, dass der Fokus auf Faktoren wie Pflanzenqualität, Cannabinoid- und Terpenprofile sowie das Verbrauchererlebnis liegen müsse. Diese Verlagerung hin zu einer ganzheitlichen Qualitätsbewertung ist entscheidend für den langfristigen Erfolg der Branche.
3. Optimierte Anbaupraktiken
Nährstoffmanagement: Dr. Youbin Zheng, Professor an der Fakultät für Umweltwissenschaften der Universität Guelph, räumte mit verbreiteten Mythen über den Nährstoffbedarf von Cannabis auf. Er stellte seine wissenschaftlich fundierte Nährstoffrezeptur vor und betonte, wie wichtig es ist, eine Überdüngung – insbesondere mit Phosphor – zu vermeiden. Er plädierte für ein präzises Nährstoffmanagement, das sich am Bedarf der Pflanzen und am Wachstumsstadium orientiert, und hob dabei die wirtschaftlichen und ökologischen Vorteile hervor.
Trocknung und Reifung: David Sandelman von Cannatrol stellte traditionelle Trocknungsmethoden in Frage, die sich auf unzuverlässige Messgrößen wie die Luftfeuchtigkeit stützen. Er stellte die Wasseraktivität als Schlüsselindikator für ordnungsgemäß getrocknetes und gereiftes Cannabis vor und hob deren Einfluss auf den Terpenerhalt, die Schimmelprävention und die Haltbarkeit hervor. Die Dampfsteuerungstechnologie von Cannatrol bietet eine präzise Lösung, um eine optimale Wasseraktivität zu erreichen und die Qualität der Blüten zu maximieren.
4. Schädlings- und Krankheitsbekämpfung
Der „Ever-Swarm“: Matthew Gates von Zentanol Consulting stellte das Konzept des „Ever-Swarm“ vor, um die sich ständig weiterentwickelnde Bedrohung durch Schädlinge und Krankheiten zu beschreiben. Er betonte die Notwendigkeit anpassungsfähiger, vielschichtiger Strategien des integrierten Pflanzenschutzes (IPM), die regionale Unterschiede, Handelsströme und das Potenzial für die Entwicklung von Resistenzen berücksichtigen.
Technologiegestütztes IPM: Gates hob neue Technologien wie die Schädlingserkennung mittels Drohnen, multispektrale Bildgebung und Sporen-Sensoren als wertvolle Instrumente für die Früherkennung und das proaktive Schädlingsmanagement hervor. Diese Technologien bieten einen Einblick in die Zukunft des IPM im Cannabisanbau.
5. Zukünftige Trends
Triploide Züchtung: Dr. Allison Justice, Gründerin und Geschäftsführerin der Cannabis Research Coalition und von „The Hemp Mine“, erörterte das Potenzial der triploiden Züchtung zur Erzeugung kernloser, ertragreicher und möglicherweise wirkungsstärkerer Cannabissorten. Sie räumte zwar die Herausforderungen im Zusammenhang mit der Keimfähigkeit triploider Samen ein, hob jedoch die potenziellen Vorteile für den großflächigen Anbau und die Produktdifferenzierung hervor.
Markergestützte Selektion (MAS): Dr. Alisha Holloway, Chief Science Officer bei Phylos, stellte MAS als leistungsstarkes Instrument zur Beschleunigung von Züchtungsprogrammen und zur Entwicklung von Sorten mit spezifischen Merkmalen wie hohem THCV-Gehalt, gewünschten Terpenprofilen und Krankheitsresistenz vor. Diese Technologie ermöglicht es Züchtern, gezielte Selektionen vorzunehmen und die Züchtungszeiten erheblich zu verkürzen.
Wertvolle Einblicke von PHOTOx
Insgesamt lieferte die PHOTOx 2024 wertvolle Einblicke in die sich wandelnde Landschaft des Cannabisanbaus. Durch den Einsatz datengestützter Ansätze, fortschrittlicher Technologien und wissenschaftlich validierter Verfahren ist die Branche bestens aufgestellt, um neue Maßstäbe in Sachen Effizienz, Rentabilität und Produktqualität zu setzen. Angesichts der zunehmenden Reife des Cannabismarktes werden kontinuierliche Innovation und Zusammenarbeit entscheidend sein, um Herausforderungen zu meistern und sich bietende Chancen zu nutzen.
Bemerkenswerte Zitate von Branchenexperten.
„Das ist eigentlich Fertigung. Es muss den Spezifikationen entsprechen, und wir sind mit der Ausbeute zufrieden.“ – Travis Higginbotham, Due Diligence im Gartenbau
„Herkömmliche Nachernteverfahren stecken noch in der Steinzeit fest.“ – David Sandelman, Cannatrol
„Versorgt eure Pflanzen gut, genau wie ihr eure Kinder versorgt. Ja. Lasst sie nicht hungern.“ – Dr. Youbin Zheng, Universität Guelph
„Radikal ist gut. Radikal bedeutet, dass man weitermachen und weiterhin innovativ sein kann.“ – Dominic van Gruisen, Innexo
„Wissenschaft braucht Zeit. Wissen Sie, wenn etwas über Nacht entsteht, dann lügen die entweder, wenn sie behaupten, es selbst entwickelt zu haben, oder es ist vielleicht noch nicht ganz ausgereift.“ – Dr. Allison Justice, Cannabis Research Coalition
Tom Hamilton
Produktmanager bei Fluence
Tom Hamilton ist Produktmanager bei Fluence in Austin, Texas. Er verfügt über 30 Jahre Erfahrung in der Beleuchtungsbranche und war in den Bereichen Technik, Marketing und Vertrieb sowohl bei Start-ups als auch bei Fortune-500-Unternehmen tätig.


