Wussten Sie, dass die Farbe des Lichts das Verhalten von Insekten beeinflusst, was sich wiederum auf das Wachstum und die Entwicklung von Pflanzen auswirken kann? Das Verständnis dieser wichtigen Wechselwirkung ist für eine erfolgreiche Pflanzenproduktion von entscheidender Bedeutung. Um dieses Zusammenspiel näher zu beleuchten, veranstaltete Fluence kürzlich eine Podiumsdiskussion mit hauseigenen Gartenbauwissenschaftlern sowie Insektenexperten von Biobest, einem branchenführenden Unternehmen für nachhaltige Pflanzenproduktion mit Sitz in Belgien.

Tim Knauer, Spezialist für Gartenbaudienstleistungen bei Fluence, eröffnete die Podiumsdiskussion mit einem kurzen Vortrag, in dem er die Reaktion von Bestäubern (Bienen) auf Licht sowie die von Schädlingen und Nützlingen erläuterte.

Vergleich des Sehspektrums von Mensch und Biene für die Cannabis-Beleuchtungstechnik; Blütenfarben unter LED-Zuchtleuchten für den Cannabisanbau.

Was sehen die Insekten?

Bestäuber „sehen“ UV-, blaue und grüne Wellenlängen. Sie arbeiten am effektivsten, wenn alle drei Spektren in angemessenen Mengen vorhanden sind. Das bedeutet, dass Bienen bei schlechten Lichtverhältnissen, wenn schmalbandige LED-Leuchten verwendet werden, nicht ihre volle Leistungsfähigkeit entfalten können, da der höhere Rotanteil und das Fehlen der mittleren Wellenlängen die Bestäubungsaktivität hemmen. Ebenso bieten HPS-Lampen, die bekanntermaßen einen hohen Anteil im rot-gelben Spektrum aufweisen, keine optimale Lichtqualität für die Aktivität der Bienen, insbesondere bei schwachem Licht.

Was die Orientierung angeht, nutzen Bienen in Gewächshäusern das natürlich vorkommende UV-Licht der Sonne sowie blaues Licht, um sich besser orientieren zu können. Übrigens hat die Photoperiode keinen direkten Einfluss auf das Sammelverhalten der Bienen, solange Intensität und Spektrum optimal sind. Neben der Sicherstellung, dass die Bestäuber einer ausreichenden Breitbandbeleuchtung ausgesetzt sind, sollten Anbauer auch andere Umweltfaktoren berücksichtigen, wie beispielsweise den Kohlendioxidgehalt und die Lufttemperatur, die sich auf die Bestäuber auswirken können.

Laut Tim verhalten sich Schädlinge und Nützlinge in Bezug auf Licht ähnlich wie Bestäuber. Insgesamt steigern sowohl Schädlinge als auch Nützlinge ihre Aktivität bei höherer Lichtintensität – vorausgesetzt, Temperatur und Nahrungsquellen stellen keine begrenzenden Faktoren dar.

Ausgewählte Fragen und Antworten

Im Anschluss an Tims Vortrag schlossen sich drei weitere Diskussionsteilnehmer der Gesprächsrunde an: Brian Poel, Projektleiter für Forschung bei Fluence; Amanda Brown, Spezialistin für biologischen Pflanzenschutz bei Biobest; und Sam Gui, Spezialist für integrierten Pflanzenschutz (IPM) und Bestäubung bei Biobest. Im Folgenden sind einige der Fragen aufgeführt, die an diese Diskussionsteilnehmer gerichtet wurden.

F: Empfehlen Sie Blattspritzungen beim Einsatz von Nützlingen?

A: Das hängt definitiv von dem Wirkstoff ab, den Sie anwenden. Bei IPM-Programmen ist es sehr wichtig, den Schwerpunkt auf die Etablierung von Nützlingen zu legen, was jedoch nicht bedeutet, dass Blattspritzungen verboten sind.

F: Wenn man in einem Gewächshaus 600-Watt-LEDs als Hauptlichtquelle einsetzt (und nicht als Zusatzbeleuchtung für Zwischenkulturen), werden Nützlinge und Bestäuber dann von dieser Wärmequelle angezogen, oder ist bei HPS-Lampen eher das Lichtspektrum das Problem?

A: Das Problem bei HPS-Lampen ist die hohe Oberflächentemperatur, die Bestäuber tötet. Zwar können Insekten sowohl vom HPS- als auch vom LED-Spektrum angezogen werden, doch LEDs erreichen keine tödlich hohe Oberflächentemperatur.

Frage: Wie wirken sich verschiedene Spektren auf die Fähigkeit von Nützlingen aus, Beute zu finden?

A: Es wirkt sich auf Nützlinge aus, die Licht benötigen, um ihren Wirt zu finden. Viele Nützlinge nutzen bestimmte Signale, um ihre Wirte aufzuspüren. Tatsächlich betrifft das Fehlen von Licht vor allem fliegende Insekten. Wespen beispielsweise nutzen sichtbares Licht, um ihre Beute zu finden. Für viele Insektenarten ist Licht jedoch nicht notwendig, um ihre Aufgabe zu erfüllen, da sie andere Wege haben, ihren Wirt zu finden.

F: Viele Indoor-Cannabiszüchter setzen UVC-Licht zur Bekämpfung von Mehltau ein. Wie wirkt sich dieses Licht auf die Populationen nützlicher Insekten aus?

A: Wir wissen nicht genau, ob dies bereits untersucht wurde, wissen jedoch, dass UVC nachweislich das Überleben von Raubmilben beeinträchtigt. Außerdem wissen wir, dass sowohl Schädlinge als auch Nützlinge gelernt haben, sich unter die Blattoberfläche zurückzuziehen. Dort finden sie die geringere Lichtintensität vor, die sie zum Überleben benötigen.